Refugees Welcome? - Ein Streitgespräch mit meinem Vater

Ein paar Worte zu meinem Vater

Vorweg möchte ich klarstellen, dass mein Vater längst nicht immer eine solche Meinung vertreten hat, wie er sie sich in den hier wiedergegebenen Mails zu eigen gemacht hat. In jungen Jahren war mein Vater Hausbesetzer in Berlin. In Mutlangen wurde er bei Protesten gegen die Atomraketenstationierung im Zuge einer Sitzblockade festgenommen und im Anschluss rechtskräftig verurteilt. Schon zu Schulzeiten engagierte er sich in einer AG gegen Rechtsextremismus, besuchte heimlich Nazi-Veranstaltungen, um an Informationen über die Rechte Szene zu gelangen, und war zu Studienzeiten bei der Alternativen Liste aktiv. Seit vielen Jahren ist er nun Mitglied bei Bündnis 90/ die Grünen und hat sich mehrere Jahre auf kommunaler Ebene für die Grünen im Umweltausschuss engagiert.

Wie kommt ein Mensch mit einer solchen Geschichte nun dazu, derart islamophobes und rassistisches Gedankengut zu hegen? Um ehrlich zu sein – ich weiß es auch nicht. Als gebürtiger Berliner hatte mein Vater die Gelegenheit, in einer multikulturellen Gesellschaft zu leben, Kontakte zu Menschen verschiedener Herkunft zu knüpfen und eine tolerante, weltoffene Einstellung zu entwickeln. Tatsächlich ist es auch so, dass sich seine Islamophobie erst in späteren Jahren, als er schon längst nicht mehr in Berlin lebte, herausgebildet zu haben scheint.

Wiederholt haben Umfragen gezeigt, dass gerade Personen aus ländlichen Gegenden, wo der Ausländeranteil gering ist, besonders starke Vorurteile gegenüber „Fremden“, insbesondere auch Flüchtlingen haben. Ob der fehlende Kontakt zu Ausländern und Migranten meinen Vater fremdenfeindlich gemacht hat, ob er mit zunehmendem Alter einfach konservativer und ängstlicher geworden ist – ich kann es auch nach diesem Mailaustausch nicht sagen.

27.9.16 11:09

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